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Schulblatt Thurgau 6 • Dezember 2013 F o k u s 9







ANMERKUNGEN



1 Vgl. dazu die Zusammenstellung verschiedener nationaler Diskus- 
sionen in: L̈hnemann, J., Schreiner, P. (2008) Interreligious and 

Values Education in Europe. M̈nster: Comenius-Institut.
2 Hier wird die Fachbezeichnung des Lehrplans 21 verwendet, in Ge- 

brauch sind daf̈r noch die Bezeichnungen «Realien», «Mensch und 

Umwelt», «Natur, Mensch und Mitwelt».
3 Benkler, B. (2010). Biblische Geschichte, Religion und Kultur. 

In: Schulblatt, Nr. 3.
4 D-EDK (2013). Lehrplan 21. www.lehrplan.ch

5 OSCE, ODIHR (2007). Toledo Guiding Principles on teaching about
Religions and Beliefs in Public Schools. Warsaw: ODIHR.

6 Ebd. S. 13: «Knowledge about religions and beliefs can reinforce 
appreciation of the importance of respect for everyone’s right to 

freedom of religion or belief, foster democratic citizenship, promote 
understanding of societal diversity and, at the same time, enhance

social cohesion.» ̈bersetzung Autorin.

7 Gearon, L. (2013). MasterClass in Religious Education. Transforming
Teaching and Learning. London: Bloomsbury, S. 142.

8 Grimmitt, M. (1987). Religious Eduction and Human Development.
Great Wakering: Mc Crimmon.

9 Vgl. ebd. S. 225.






Auseinandersetzung mit religïsen konzepten
Ẅhrend einer Weiterbildung besuchte ich in einer religïs ge- PORTR̈T

mischten Schule Londons den Religionsunterricht einer dritten 
Primarschulklasse, wo nach Grimmitts Konzept unterrichtet Lic.theol. Judith Borer ist Dozentin 
im Fachbereich Mensch und Umwelt, 
wurde. Die Kinder vertieften die buddhistischen Prinzipien 
«Alles wandelt sich und ist verg̈nglich» und «Besitzen macht Leiterin Ressort Schule und Religion 
PHTG, Gymnasiallehrerin f̈r Religion 
nicht gl̈cklich». Nach einer kurzen Einf̈hrung in die Prinzipien 
lasen die Kinder Situationsbeschreibungen («Kamis bemerkt, an der PMS Kreuzlingen und hat einen 
dass seine Schwester von Tante Enil Geld geschenkt bekom- 
Abschluss als Psychotherapeutin.
men hat und er nicht.»), besprachen in Gruppen Fragen dazu 
(«Was hat Kamis in dieser Situation wohl gef̈hlt? Wie k̈nnte 

Kamis von den drei Prinzipien f̈r diese Situation lernen?») und 
beantworteten diese schriftlich. Am Schluss der Lektion fassten 

die Kinder ihre neuen Erkenntnisse zusammen. Konzepte aller 
Weltreligionen, wie das christliche Glaubenskonzept der Verge- 
bung oder das islamische der Barmherzigkeit, werden nach die- 

ser Art vorgestellt, zu eigenen Erfahrungen in Beziehung gesetzt 
und pers̈nlich bewertet. Es war beeindruckend, wie engagiert 

und kritisch sich diese Kinder mit den religïsen Konzepten aus- 
einandersetzten.


Auch in der Ausbildung an der PHTG werden diese beiden Arten 
des Lernens eingëbt: die Studierenden erwerben einerseits 

Grundwissen ̈ber Religionen, andererseits eignen sie sich in 
der fachdidaktischen Ausbildung Kompetenzen an, wie sie sich 

mit Kindern auf den Prozess des Lernens ̈ber und Lernens von 
Religionen einlassen k̈nnen. Das Interesse der Kinder ist ihnen 
dabei gewiss. Die Herausforderung dabei ist, als Lehrperson 

einen Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben in einer ver- 
mehrt interreligïs zusammengesetzten Gesellschaft zu leisten.





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